Steuer auf Arbeitszimmer bei Verkauf?

Thema des Monats

 

Steuer auf Arbeitszimmer bei Verkauf?

Finanzgericht entscheidet gegen Finanzverwaltung

Muss der Gewinn aus dem Verkauf einer privaten Immobilie, der anteilig auf ein Arbeitszimmer entfällt, besteuert werden? Zu dieser Frage wird der Bundesfinanzhof (BFH) entscheiden müssen, das Finanzgericht Köln (FG) geht jedenfalls nicht von einer Steuerpflicht aus (Az. 8 K 1160/15).

Mit dem aktuell veröffentlichten Urteil wenden sich die Kölner Richter gegen die Rechtsmeinung der Finanzverwaltung.

Geklagt hatte ein Ehepaar, das innerhalb der zehnjährigen Veräußerungsfrist ihre selbst bewohnte Eigentumswohnung veräußert hatte. Das Finanzamt unterwarf den auf das Arbeitszimmer entfallenden Gewinn von fast 36 000 Euro als privates Veräußerungsgeschäft der Einkommensteuer. Prinzipiell muss der Gewinn aus dem Verkauf einer Privatimmobilie nicht versteuert werden, wenn sie zwischen Erwerb und Veräußerung ausschließlich zu eigenen Wohnzwecken genutzt wurde. Die Finanzverwaltung vertritt jedoch die Meinung, dass ein häusliches Arbeitszimmer ein selbstständiges Wirtschaftsgut ist, welches nicht Wohnzwecken diene. Nach Ansicht des FG ist der Gewinn jedoch auch dann in vollem Umfang steuerfrei, wenn zuvor Werbungskosten für ein häusliches Arbeitszimmer abgesetzt wurden. Das Arbeitszimmer sei in den privaten Wohnbereich integriert und stelle kein selbstständiges Wirtschaftsgut dar.

Das unterlegene Finanzamt hat die Entscheidung des Finanzgerichts Köln nicht akzeptiert und die zugelassene Revision eingelegt. Die Revision wird beim BFH unter dem Aktenzeichen IX R 11/18 geführt.

Betroffene Steuerzahler sollten ihre Steuerbescheide in jedem Fall innerhalb der Rechtsbehelfsfrist anfechten. Dabei bin ich Ihnen gerne behilflich.

Quelle: Handelsblatt vom 12. Juni 2018

Hannover, im Juli 2018

Joachim Siegmund

Steuerberater

 

 

Zurück