Tücken des E-Fahrtenbuches

Auch wenn elektronische Fahrtenbücher komfortabler und weniger zeitaufwendig sind als handschriftliche Aufzeichnungen, stellen sie kein Allheilmittel für die Dokumentation dar. Immer wieder stellen die Finanzämter Mängel fest und erkennen diese steuerlich nicht an. In der Praxis führt daher die Frage nach den Anforderungen an ein elektronisches Fahrtenbuch häufig zu Streitigkeiten.

 

Aktuell hatte das Niedersächsische Finanzgericht einen Fall zu entscheiden, in dem einem Geschäftsführer ein Dienstwagen zur Verfügung gestellt wurde, der auch für private Fahrten genutzt werden durfte. Dieser war mit einer sogenannten Telematiklösung ausgestattet, unter anderem mit der Funktion "elektronisches Fahrtenbuch". Im Rahmen einer Außenprüfung stellte das Finanzamt fest, dass der im Fahrtenbuch enthaltene Kilometerstand nicht den Kilometerständen laut Werkstattrechnungen entsprach. Es verwarf daraufhin das Fahrtenbuch und erhöhte den Arbeitslohn des Geschäftsführers. Es wandte die sogenannte 1%-Regelung an. Auch das Finanzgericht kam zu dem Ergebnis, dass das elektronische Fahrtenbuch nicht ordnungsgemäß war (Az. 3 K107 18). Nach Ansicht der Richter reicht die unmittelbare elektronische Erfassung der Fahrtwege eines betrieblichen Fahrzeugs durch ein technisches System zur Führung eines Fahrtenbuchs nicht aus. Neben dem Bewegungsprofil müssen die Fahrtanlässe ebenfalls zeitnah erfasst werden. Eine technische Lösung, die auch nach Jahren noch Änderungen zulässt, kann nicht als elektronisches Fahrtenbuch anerkannt werden.

 

Das Niedersächsische Finanzgericht hat die Revision nicht zugelassen. Der Kläger hat Nichtzulassungsbeschwerde beim Bundesfinanzhof eingereicht (Az: VI B 25/19).

 

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Quellen:

Niedersächsisches Landesjustizportal

Handelsblatt vom 28.05.2019, Nr. 102

 

 

Hannover, im Juni 2019

 

Joachim Siegmund

Steuerberater